Im Kampf mit dem Berge

Im Kampf mit dem Berge

Filmkonzert der Versicherungskammer Kulturstiftung und dem Münchner Kammerorchester in Kooperation mit dem DOK.fest

Das ist sie also, meine Premiere als Scout: Ein Stummfilm von 1921, der live vom Münchner Kammerorchester begleitet bzw. vertont wird. Ich finde, das klingt sehr spannend und freue mich, meine Newcomer Mimi und Jasko vor dem Gebäude der Versicherungskammer Bayern zu treffen. Wir bewundern die großzügige Architektur und die Kunst im Gebäude, tauschen uns über bisherigen Stummfilmerfahrungen aus – keine – und suchen uns einen Platz in den schon gut gefüllten Reihen.

Bevor es jedoch mit dem eigentlichen Film los geht, gibt es ein Einführungsgespräch mit Daniel Sponsel, dem Geschäftsführer und Künstlerischen Leiter des DOK.fests München und Prof. Jürg Stenzl, Musikwissenschaftler und Autor. Wir erfahren interessante Dinge über den Film, zum Beispiel, dass die Nachtaufnahmen tagsüber aufgenommen wurden und nur durch eine Unterbelichtung des Films dunkel wirken. Wer darauf achtet, kann daher im Film auch “nachts” die Schatten der Schauspieler und Gegenstände sehen.

Nachdem die Einführung dann doch ein wenig lang gerät, bin ich erleichtert, als der Film endlich startet und das Orchester zu spielen beginnt . In flackernden Bildern zeigt der Film die Besteigung des Lyskamm-Gipfels durch zwei Bergsteiger. Weiße Schneelandschaften und spitze Felsen wechseln sich ab, es wird geklettert, gesprungen und ab und zu eine Pause eingelegt. Wäre die Musik nicht, so würde ich wahrscheinlich relativ schnell das Interesse verlieren oder zumindest gedanklich abdriften. Doch die Komposition von Paul Hindemith macht aus lustig anmutenden Sprüngen im Schnee waghalsige und spannende Glanzleistungen. Ich fiebere mit den Bergsteigern mit, möchte dass sie die Besteigung unbeschadet überstehen und den donnernd aufziehenden Sturm unbeschadet überleben.

Erst in der Kombination mit der Musik wird der Film wirklich spannend. Es ist die Musik, die Emotionen hervorruft und mich mit auf eine Reise in die Berge nimmt. Ohne sie würde der Film heute, fast 100 Jahre nach seinem Entstehen, auf mich wahrscheinlich eher lächerlich oder langweilig wirken. Gleichzeitig vermittelt mir der Abend ein Gefühl dafür, wie so ein Kinobesuch wohl früher war und mir wird bewusst, dass es unsere heutigen Spezialeffekte noch gar nicht so lange gibt.

Anschließend unterhalten wir uns bei einem Glas Wein über den Film – alle sind sich einig, dass er ohne Musik nicht halb so gut gewesen wäre!

 

Foto: http://www.versicherungskammer-kulturstiftung.de/kulturstiftung/en/konzertreihen/symphonischer-dokumentarfilm-im-kampf-mit-dem-berge-1921/